Basler Manifest
Max Beckmann zu Ehren
Messe art Basel, April 1984
I. KRISE
1. Wir befinden uns auf allen Ebenen in einer tiefgreifenden Krise.
2. Deren Radikalität ermöglicht und erzwingt einen umfassenden
Wandel.
3. Der Beginn dieses Wandels ist allenthalben zu beobachten.
4. Kunst spielt dabei keine Rolle.
II. KUNST
5. Die Theorie bestimmt, was möglich ist.
6. Der Schock der Moderne" ist domestiziert in der neuen Akademie.
7. Die Akademie walzt alte Konzepte immer wieder neu" aus - nichts
Neues, nichts Wichtiges.
8. Kunst und Kunstbetrieb stabilisieren und unterstützen das
reaktionäre politisch-gesellschaftliche System.
9. Wertfragen werden höchstens scheinhaft diskutiert.
10. Kunstfragen werden durch Macht und Geld beantwortet. Der Rest ist
Wortgeklapper.
III. BECKMANN
11. Max Beckmann ist als Visionär und Held der Individuation Prototyp
des Künstlers der kommenden Zeit.
12. Sein Handicap war seine Theorie, sein Weltbild war Behinderung.
13. Bis heute nicht verstanden: ihm war Malerei magisches Verfahren.
14. Es ging um Selbstentwicklung und Beeinflussung der Welt.
IV. FORDERUNGEN
15. Kunst und Wissenschaft müssen als gleichwertige Erkenntnisquellen
des Menschen anerkannt werden.
16. Das Elend des Kunstbetriebs ist Resultat von Maßstablosigkeit.
Wir brauchen eine Praxis der Wertsetzung.
17. Kunst kann Wege aufzeigen zu grundlegenden Lösungen, ist so
lebenswichtig und unersetzbar. Wir brauchen Künstler, die sich dieser
Herausforderung stellen. |