If
I see right ...
Work Nr. 247
not translated yet
Im gleichen großen Format, eine Woche vorher entstanden,
ein höchst rätselhaftes Bild. Wenn es nicht das Budget gesprengt
hätte, wäre es heute im Besitz des Leopold-Hoesch-Museums
Düren. Das Bild war die erste Wahl der Museumsleiterin, die
übrigens selbst mithalf, das Preisgefüge zu gestalten.
Zwei Figuren dominieren, links eine nackte Schwangere mit stolz unter
schwellenden Brüsten verschränkten Armen, die auf dem bereits sehr
dicken Bauch aufliegen, rechts ein rotes Fabelwesen mit maskenartigem Kopf,
offenbar sitzend, auf die Frau bezogen, ihr einen merkwürdigen Strauß
überreichend.
Von unten kommt noch ein roter Comic-Vogel herein, rechts oben hängt
ein Comic-Bösewicht über einem Sichelmond, darunter ein Glatzenjunge.
Die Frau schaut selbstbewußt aus dem Bild heraus, am Betrachter vorbei,
sie sinnt, ist gesammelt, aufmerksam, energiegeladen, wach, stark, autark,
unnahbar, mit einem Wort: überwältigend.
Diese Wirkung geht überwiegend von ihrem Kopf aus, der sehr merkwürdig
gezeichnet ist: Er besteht fast nur aus dem eigentlichen Gesichtsbereich
zwischen Augen und Kinn, auf den die Wahrnehmung fixiert ist, der Rest ist
fast nicht da. So zeichnen Anfänger, sie spiegeln die Wahrnehmung, durch
mühsames Erarbeiten der wirklichen Proportionen kann dieser Sehfehler
überwunden werden. Aber hier wirkt diese Überzeichnung nicht als
Fehler, sondern richtig und gut.
Ein leichter Bruch besteht allerdings zwischen Kopf und Körper, der
wesentlich naturalistischer, plastischer gemalt ist. Dieser Bruch ist in
anderen Bildern deutlicher und weist auf eine Spaltung zwischen Kopf und
Körper hin. Hier scheint die Frau ihre Stärke auch aus dem Wunder
und Mysterium ihres Körpers zu beziehen, das ja deutlich genug vorgetragen
und vorgezeigt wird. Diese Frau braucht nichts und niemanden. Der dicke Bauch
und die prallen Brüste korrespondieren mit dem roten dicken Bauch und
den flachen Brüsten, die allerdings beide deutlich männlich, schlaff
und verfettet sind.
Der Rote, das assoziiert Teufel - aber
nein, der ist doch ganz harmlos, zurückgesetzt noch dazu, aber immerhin
hat er sich eine Maske aufgesetzt, die teuflische Züge trägt und
Hörner hat. Er ist ganz Verehrung und Staunen, um nicht zu sagen Anbetung,
schüchtern reicht er ihr - na ja, was eigentlich? Er quetscht etwas
Rotes, Längliches zwischen seinen Fingern, ein wenig wie eine Eistüte
hält er das Ding, das sich oben auch verbreitert, da liegen dann auch
Sachen drauf, die aber wieder nicht wie Eis aussehen, eher wie aufgeschnittener
Früchte, aber am ehesten sind es vielleicht Brüste, die dann zu
der weiblichen Figur dahinter gehören würden, eine Stockpuppe
vielleicht, eine Hexe mit roten Augen, hinter der noch eine kleinere Puppenhexe
hervorlugt. Sie aber will das Geschenk nicht haben. Diese Männerriege
hier hat bei ihr keine Chance. Und was ist mit den Männern? |