If I see right ...
Work Nr. 306
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Zwei monumentale Köpfe prägen dieses Bild. Links ein
Männerkopf, rechts eine Frauenfigur. Bei über einem Meter Höhe
sind diese Köpfe, die die halbe Höhe des Bildes einnehmen, weit
mehr als lebensgroß.
Auf den ersten Blick ist außer der Dimensionalität wenig los.
Immerhin ist das Bild furios gemalt. Die Farben sind stark, die Pinselstriche
kontrolliert und doch voller Bewegung. In diesem Bild steckt eine Menge Energie
und Kraft, das ist gleich zu spüren. Aber was ist das genauer, was da
zu spüren ist?
Der Mann und die Frau bilden ein Paar, das ist klar. Ihre Körper
berühren sich an den Armen, doch sie scheinen sich nicht anzufassen.
Sie sind einander leicht zugewandt, aber sie schauen sich nicht an. Auch
der Betrachter wird nicht einbezogen, sie sind allein. Sie sind aber deutlich
aufeinander bezogen, sie wissen voneinander, sie haben starke Gefühle
füreinander, sie sind ein Paar, jeder von ihnen könnte ohne den
anderen nicht sein.
Der Mann ist männlich stark, er schaut zuversichtlich, ernst, aufmerksam,
gespannt sowohl nach außen als auch nach innen. Er ist der Außenwelt
zugewandt, in diesem Aspekt ist er wachsam, bereit zu handeln, seinen Mann
zu stehen, er weiß, daß die Welt Engagement erfordert, es gilt,
auf der Hut zu sein, auch ein gesundes Maß an Furchtsamkeit ist nicht
unangebracht, aber im Grunde ist er zuversichtlich, daß er alle
Anforderungen bewältigen wird. In seiner Innenschau wird die
Gefühlsseite lebendig, er ist offen und verletzlich, abhängig von
anderen, insbesondere von der Frau in seinem Inneren und an seiner Seite.
Die Frau ist wesentlich auf ihr Inneres bezogen, sie scheint Schweres zu
fühlen, Tiefes, Aufwühlendes. Sie steht dazu, sie hadert nicht
damit, es ist richtig und gut so, sie öffnet sich diesem Gefühl,
läßt es ganz in sich herein, wachsen und sich entfalten. Sie ist
nicht so sehr auf den Mann an ihrer Seite bezogen, obwohl er auch präsent
ist, sie ist sich dessen bewußt im Inneren wie im Äußeren,
aber sie hat keinen so starken Bezug zu ihm. Sie lebt mehr aus sich selbst,
in sich selbst, sie hat es schwer, sich zu öffnen und eine Begegnung
zu wagen. Sie nimmt den größeren Teil des Bildes ein, sie steht
eher etwas zurück, wirkt aber trotz oder wegen ihrer Innenbezogenheit
leicht dominierend.
Zwischen beiden herrscht eine ruhige, energiereiche Spannung. Beide sind
Pole eines Gegensatzpaares, beide bedürfen einander, es ist wie ein
Sog in beide Richtungen, ein Konflikt wird hier ausgefochten. Er ist der
Mann und steht für sich, seine Beziehung zu ihr ist gefährdet,
es zieht ihn dorthin, wo sein Blick fixiert ist. Sie spürt diesen Vorbehalt,
es verletzt sie auch, aber auch sie hat ihren Vorbehalt, sie will sich ebenfalls
nicht hingeben, sie zieht sich zurück. Trauer und Resignation sind zu
spüren. Sie kommen nicht weiter, sie können sich nicht helfen. |