If I see right
...
Work Nr. 622
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Das Bild ist wild, strudelig, voller Energie. Viele Pinselstriche
sind deutlich sichtbar und zeigen Bewegung, Weiß höht an vielen
Stellen, was sonst selten vorkommt. Die Malerei ist so virtuos - als ich
neulich Gelegenheit hatte, eine Weile auf dem Bild rumzugucken, dachte ich:
Wie kann einer so etwas machen?
Links unten ragt ein schauriges Tierwesen ins Bild,
grün-schwarz-weiß, am ehesten Hund, Höllenhund, Fabelhund,
mit unglaublich langem Maul und vielen spitzen Zähnen an Ober- und
Unterkiefer, das Maul zu einem Grinsen aufgesperrt, die rote Zunge dazwischen
sichtbar. Das Auge schaut den Betrachter durchdringend an, das ganze Wesen
ist pure Vitalität und Lust. Der Nasenrücken berührt den Schnabel
eines versteckten blauen Vogels, der verschmitzt und klug hinter dem Kopf
der Frau im Vordergrund hervorlugt.
Diese wiederum zeigt einen äußerst gemischten Ausdruck, so als
traue sie der Situation nicht. Leicht zweifelt sie, ein wenig freut sie sich,
ist gespannt, ängstlich auch, dann aber wieder sehr zuversichtlich und
stark. Ihr Blick geht nach vorne, hat auch etwas Bittendes an sich, sie fixiert
etwas, aber nicht den Betrachter. Der schmutzige Mann hinter ihr, ein bulliger
Kämpfer- oder Schwerarbeitertyp, ist eindeutiger im Ausdruck.
Er schaut etwa in die gleiche Richtung, scheint auch etwas zu fixieren,
hält sich zurück, ist wachsam, auf der Hut, mißtrauisch,
ängstlich. Eine rote Schlange kringelt sich um seinen Kopf und
stößt von oben auf sein linkes Auge herunter. Seine Aufmerksamkeit
ist gespannt wie bei einem Krieger, der seinen Gegner fixiert, das Denken
und Reflektieren abschaltet und sich ganz auf sein Können und seine
Reaktionsfähigkeit verläßt.
Fast die gesamte linke Seite wird von einem Kopf eingenommen, dessen
Geschlechtlichkeit nicht so ganz feststeht, wohl eher männlich, der
deutlich größer ist als die beiden anderen. Dieser schaut in Richtung
auf die beiden, aber nicht auf sie, sondern über sie hinweg in die Ferne
und zugleich in sich hinein. Sein Ausdruck ist innerlich, einverstanden,
zuversichtlich, abwartend. Sein Haupt ist umrahmt von einem strahlenartigen
Kragen, dessen Zacken auf den Männerkopf rechts zeigen.
Mann und Frau sind aufeinander bezogen, sie sind auch
gefühlsmäßig verbunden, das Kinn des Mannes berührt
den Scheitel der Frau. Sie wirkt wie ein Schild für ihn, sie schützt
ihn physisch und psychisch. Das vor ihnen Liegende ist offenbar schwer
einzuschätzen, etwas Großes, Unbekanntes, Risikoreiches, das alle
Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Diese Situation ist offenbar nicht herbeigeführt worden, sie stellt
sich einfach und ist unvermeidlich. Die linke Figur wird von beiden nicht
wahrgenommen, die Tiere ebenfalls nicht, jedenfalls sind sie
selbstverständlich. |