Prospect introductionAbout art not translated yet Die Verwirrung ist groß, unter Laien und Fachleuten gleichermaßen. Bekanntlich haben sich vor einem Jahrhundert die Fachleute unsterblich blamiert (siehe auch unten). Seither versuchen sie es mit einer Flucht nach vorn und scheinen nur das für bedeutend zu halten, was unverständlich, abstoßend, zumindest erklärungsbedürftig erscheint. Es liegt auf der Hand, daß dieser Weg zumindest höchst gefährlich ist. Aber im Grunde haben die Fachleute den Löffel bereits abgegeben, denn der Markt entscheidet, also Galeristen, Käufer, Auktionen, über die die großen Zeitungen berichten wie über Bewegungen an den Aktienmärkten. Oder sollte man besser mit Briefmarken vergleichen? Denn im Gegensatz zu Getreide, Soja, Autos, Öl ist Kunst doch wohl nicht lebensnotwendig, oder? Nun, da kann man sicher streiten. Getreide wird unbedingt gebraucht, auf Autos und Öl konnte die Menschheit lange gut verzichten, um es mal so zu sagen, aber die Kunst begleitet den Menschen, solange wir von ihm wissen. Man könnte den Menschen sogar definieren als das Tier, das Kunst macht. Und so wird es auch in Zukunft Künstler geben und Menschen, die Kunst besitzen wollen, und damit auch den Kunstmarkt. Und wo ein Markt ist, da kann man spekulieren, also wozu die ganze Aufregung? Irgendwie geht uns die Kunst wohl alle an, fühlen wir uns alle aufgerufen und bemüßigt, mitzureden. Es geht um Qualität. Und Qualität heißt Leben. Wir gestalten unser Leben und drücken uns aus, auch und gerade über Kunst. Deshalb läßt Kunst niemanden kalt, wann immer wir einem Kunstwerk begegnen, beziehen wir Stellung, nehmen wir Veränderung an oder lehnen wir vehement ab. Dabei ist diese Diskussion so unglaublich schwierig, daß wir sie scheuen und vermeiden wollen, wie es schon sprichwörtlich geworden ist: Über Kunst läßt sich ..." Ja, was denn, gut oder nicht streiten? Und wenn die Sprache sich schon einmischt, dann ist das Thema sicher heiß und alt und schwierig. Im Bereich der Literatur haben wir einen Mann, der gern streitet, kein Blatt vor den Mund nimmt und immer die Qualität verteidigt und sonst gar nichts. Dieser Mann ist im Fernsehen sehr populär geworden, in seiner Diskussionsrunde wirkt er sehr überzeugend, seine Mitstreiter regelmäßig überaus blaß. Immerhin, einen gibt es also im Land der Literatur, der die Fahne hochhält. Im Bereich der Kunst ist es niederschmetternd. Selbst beamtete Großfürsten geben Dünnes und Dünnstes von sich, daß es einen im Lande der Dichter und Denker schaudern kann. Das Versagen ist so offensichtlich, daß eine unglaubliche Chance offenbar wird: Man muß selbst sehen, man muß sich auf sein eigenes Urteil verlassen! Und das heißt: Man muß selbst sehen lernen, man muß sein eigenes Urteil bilden, und das braucht Zeit. Bei mir fing das damit an, daß ich mich über die Kunst, die mir geboten wurde, lustig machte (s.o. Werk Nr. 5, Winter 68): Eine Doktrin dieses Jahrhunderts lautet: Kunst ist, was der Künstler zu Kunst erklärt. Das tut dieses Werk ausdrücklich. Gleichzeitig zitiert es Jürgen von Mangers ÄHRLICH" und persifliert dieses Vorgehen als spießbürgerlich: So stellt Klein Erna sich Kunst vor! Mit JOEY ARTS LTD. ein Seitenhieb gegen die Factory eines Andy War Hohl (Wortspiel von Horst Janssen). Das kann es nicht sein, das spürt man schnell, das ist elende Kopfkunst. Aber was ist Kunst? Zu welchen Schlüssen und Entwicklungen ich in meinem Leben gekommen bin, erfahren Sie in dieser Broschüre.
Die Welt, 30.03.1998, Seite 12, Aus aller Welt: Kunstjury würdigt einen Fünfjährigen dpa Kopenhagen - Eine angesehene Kunstjury in Dänemark hat die Malereien des fünfjährigen Virtus Rytte Petersen zu "großer Kunst" erklärt. Wie die Kopenhagener Zeitung "Politiken" berichtete, wählte die Jura drei Kinderklecksereien, die der Vater des Jungen als Scherz beim Jahreswettbewerb für dänische Nachwuchskünstler unter dem Sammeltitel "Integrität" eingereicht hatte, für eine Ausstellung aus. Unter den aus 2500 Einsendungen ausgewählten 89 Bildern für die Frühjahrsausstellung im Kopenhagener Charlottenborg-Museum fanden sich auch die drei Kinderbilder. Der Hauptsponsor, eine Bank, überwies dem Einsender außerdem 3600 Kronen (1000 Mark). In der Begründung der Jury hieß es, daß insbesondere der "minimalistische und fast kalligraphische Stil von Petersens Arbeiten" gefalle. Die Mutter des "Malers" erklärte zu dessen Interessen: "Kunst ist ihm völlig egal. Er prügelt sich am liebsten mit Freunden und spielt am liebsten Computerspiele, bei denen irgend jemand stirbt." |
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