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Nr. 521, Terrakotta WerWasWie:
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ie mache ich das?

Anfang der 70er Jahre hat man die spezifischen Eigenschaften der beiden Gehirnhälften entdeckt. Es stellte sich heraus, daß Entdeckungen, auch wissenschaftlicher Art, in der rechten Gehirnhälfte entstehen, die als die künstlerische, intuitive gilt. Deren Leistungen gelten aber in unserer Welt wenig, die vollkommen von der linken Gehirnhälfte und deren Fähigkeiten beherrscht wird. Das gilt auch für die Kunst. Die rechte Gehirnhälfte kommt sozusagen höchstens zufällig ins Spiel, wenn die linke nicht mehr weiter kommt.

Ein Charakteristikum moderner Kunst ist die Kopflastigkeit*, das mangelnde Vertrauen in die Leistungen der rechten Gehirnhälfte. Diese läßt sich nicht zwingen, wie es verschiedentlich versucht wurde, z.B. von den Surrealisten - dann entsteht Absurdes und Banales.

Um es in religiöser Ausdrucksweise zu sagen: Wir haben alle teil am Göttlichen, das sich durch uns ausdrückt und zum Vorschein kommt. Insofern ist Kreativität unser natürliches Erbe. Unsere Aufgabe ist, zu werden, was wir sind, uns in diesem Leben vollkommen zu verwirklichen und auszudrücken.

Für den Künstler bedeutet dies auch, sich selbst in seiner Arbeit zu finden. Das erfordert Demut und Vertrauen, bedeutet auch Mühe und Anstrengung, aber es ist nicht eigentlich schwer. Er läßt sich von dem leiten, was größer ist als wir, dem Selbst (der Qualität / Tao / Gott), und scheut den Selbstbetrug wie der Teufel das Weihwasser.

Diese Position ist unüblich. Der moderne Mensch sieht sich selbst als Schöpfer, Schöpfergott, Gott selbst. Das gilt natürlich auch für den Künstler. Der Maler ist nicht nur Maler, er ist ein Malerfürst, ein Genie, selbstherrlich und völlig unabhängig.

Ich bin natürlich auch Kind meiner Zeit und von Hause aus linkslastig. Mühsam habe ich gelernt, vollkommen „aus dem Bauch" zu arbeiten, mich einem Größeren anzuvertrauen, demütig und fügsam zu sein, mich als Werkzeug zu sehen - die Bilder kommen zu mir wie ein Traum, der mir ohne mein bewußtes Zutun zustößt, den ich nicht mache, obwohl es mein Traum ist. Daher weiß ich nicht unbedingt mehr über meine Bilder als ein Betrachter, der sich damit ebenso intensiv beschäftigt hat wie ich.


* siehe z.B. Tom Wolfe: The painted Word, Bantam 1975, sehr witzig! DM 13,-
Deutsch: Worte in Farbe, Knaur 1992, DM 9,80
bei Telebuch ohne Versandkosten.
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